Der Fachbereich wünscht sich die „Analyse für Jedermann“, doch ist die IT mit SAP S/4HANA beschäftigt und gedanklich noch nicht bei SAP BW/4HANA angekommen.

Wenn ein Unternehmen seine Daten je nach der Intensität der Nutzung in verschiedene Datenbanken speichern will, kann es das seit der Version 7.5 von SAP längst tun. So genannte heiße und damit vielgenutzte Daten werden dann in SAP HANA verarbeitet, weniger genutzte, warme Daten beispielsweise in der relationalen Datenbank Sybase ASE und die „kalten“ ganz selten genutzten Daten in einem Filesystem. Der Haken an der Sache: Der IT-Spezialist muss sich bisher sämtliche Werkzeuge, die er benötigt, erst einmal zusammenlizensieren. Das gilt für Software, die das Lesen und Schreiben von Filesystemen möglich macht genauso wie für weitere Datenbanken von IBM oder Oracle oder Integrationstools.

Mit SAP BW/4HANA bietet SAP seinen Kunden einen à-la-carte-Service, der alle relevanten Werkzeuge etwa zur Einbindung von SQL, DB2, Hadoop und des oben beschriebenen Multi-Temperature-Konzepts enthält. Strategischer Vorteil für SAP: Mit dem ersten „echten“ Unternehmens-Datawarehouse greift der Konzern Spezialisten wie Teradata an und löst sich von der Strategie, „nur“ ein Business Warehouse für seine Bestandskunden zu verkaufen.

Unternehmen nutzen die neuen Datenmodelle zu wenig

Seit SAP BW 7.3 können Unternehmen die Vorteile von SAP HANA nutzen. Doch tun sie es oft nicht, sondern arbeiten weiter auf Basis ihrer alten Datenmodelle. SAP BW 7.5 ist vergleichbar mit SAP BW/4HANA: Richtig installiert bietet es die gleichen Funktionen und Vorteile. Und doch sind in der Mehrheit der Unternehmen oft noch alte Datenmodelle im Einsatz, obwohl die HANA-Datenbank zur Verfügung steht und sogar mit lizensiert ist. Mit SAP BW/4HANA baut SAP sanften Druck auf seine Kunden auf, ihre alten Datenmodelle aufzugeben. Schon mit SAP BW 3.5 und SAP BW 7.0 gab es neue Datenmodelle, und auf Basis der alten waren innovative Funktionen nicht möglich. Der Schritt ist also nicht außergewöhnlich.

Der Fachbereich fordert „Analyse für Jedermann“, die IT hat mit S/4HANA zu tun

Es stellt sich vielmehr die Frage, wie Unternehmen den Schritt in die „Analyse für Jedermann“ hinbekommen können. Schon Gartner fand heraus, dass hier ein grobes Missverhältnis zwischen dem Bedarf in den Unternehmen und der tatsächlich Nutzung besteht: Nur zwei bis drei Prozent der Mitarbeiter in einem Unternehmen nutzen analytische Funktionen, die Mehrheit von 70 Prozent jedoch würden sie einsetzen, wenn sie sie zur Verfügung hätten. Während die Fachbereiche auf derartige neue Funktionen händeringend warten, sieht es jedoch in der IT-Abteilung oft anders aus. Sie haben jede Menge damit zu tun, ihre Systeme ins SAP S/4HANA-Zeitalter zu bringen. Und jetzt kommt mit SAP BW/4HANA eine weitere Anforderung auf sie zu.

Meine Empfehlungen

  • Unternehmen, die bereits SAP BW im Einsatz haben, sollten auf SAP BW 7.5 migrieren und konsequent nur neue Objekte verwenden, also durchgängig das neue Datenmodell nutzen. Über die Version 7.5 gibt es zudem eine Migrationsfunktion für SAP BW/4HANA.
  • Unternehmen, die noch nicht SAP S/4HANA im Einsatz haben, sondern ein klassisches ERP wie SAP ERP ECC 6.0, sollten ihr Business Warehouse auf die Version 7.5 upgraden, aber erst in Kombination mit SAP S/4HANA auch auf SAP BW/4HANA wechseln.
  • Für Unternehmen, die keine gewachsene IT-Struktur mitbringen und quasi „auf der grünen Wiese“ starten, lohnt sich der Direkteinstieg in SAP BW S/4HANA, etwa über das IaaS-Modell, also den Einstieg über die Private Cloud SAP HANA Enterprise Cloud oder die Amazon Web Services (AWS). Vorteil: Patches, Backups und Betrieb liegen beim Dienstleister und Unternehmen können sich auf die wichtigen (strategischen) Dinge fokussieren.
  • Unternehmen, die mehrere Datenbanken im Einsatz haben und Big Data für wichtig halten, sollten SAP BW/4HANA prüfen. Das gilt etwa für Banken, die teilweise 95 Prozent ihrer Daten nicht in SAP-Systemen liegen haben, sondern auch auf SAS, DB2 oder SQL setzen. Für sie war SAP BW bislang keine Option, da sie sich nicht mit der Benutzeroberfläche von SAP, dem SAP GUI, sowie deren Programmiersprache ABAP auseinandersetzen wollten.

 

Bild: Fotolia, peshkova

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